Olivenöl
Qualitätsstufen bei Olivenöl
Veröffentlicht am 14. September 2026
Warum es Güteklassen gibt
Olivenöl ist EU-weit in Handelsklassen eingeteilt. Die Einstufung erfolgt über chemische Kennwerte (vor allem den freien Säuregehalt und die Peroxidzahl) und über eine sensorische Prüfung durch ein Panel. Die Unterschiede zwischen den Klassen sind erheblich – im Geschmack wie im Preis.
Raffiniertes Olivenöl
Die niedrigste Stufe im Handel. Raffinierte Öle werden unter Hitze (bis zu 240 °C) und mit Hilfe von Lösungsmitteln gewonnen, häufig aus den Rückständen des Mahlvorgangs. Beim Raffinieren verliert das Öl seine typische Geschmacksnote, ebenso den größten Teil der Polyphenole. Produkte, die schlicht als „Olivenöl“ ausgezeichnet sind, bestehen in der Regel aus raffiniertem Öl mit einem Anteil nativen Öls zur Geschmacksgebung.
Lampantöl
Lampantöl entsteht aus verdorbenen, oft vom Boden aufgesammelten oder bereits fermentierenden Oliven. Es ist nicht verkehrsfähig für den direkten Verzehr, muss raffiniert werden und darf erst danach – verschnitten mit nativem Öl – in den Handel gelangen.
Natives Olivenöl
„Nativ“ heißt naturbelassen. Ein Öl ist nativ, wenn es ausschließlich mit mechanischen Verfahren direkt aus Oliven gewonnen wird und nicht mit chemischen Lösungsmitteln in Kontakt kommt. Der freie Säuregehalt darf bis 2,0 % betragen; leichte sensorische Fehler sind zulässig.
Natives Olivenöl extra
Die höchste gesetzliche Güteklasse. Voraussetzungen: ausschließlich mechanische Gewinnung, freier Säuregehalt maximal 0,8 %, keine sensorischen Fehler in der Panelprüfung und kalte Extraktion – die Temperatur darf beim Mahlen und Malaxieren 27 °C nicht überschreiten.
Nativ Extra High Polyphenol
Keine eigene gesetzliche Klasse, sondern eine Qualitätsauslobung innerhalb von „nativ extra“: Öle aus sehr früher, grüner Ernte mit laboranalytisch nachgewiesenem, besonders hohem Polyphenolgehalt. Erst ab mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und Derivaten je 20 g Öl darf die zugelassene EU-Angabe zum Schutz der Blutfette vor oxidativem Stress verwendet werden. Solche Öle schmecken deutlich bitterer und schärfer – das ist gewollt und der direkte sensorische Ausdruck des Gehalts.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Ernte- oder Abfülljahr auf der Flasche (Olivenöl ist ein Frischeprodukt).
- Herkunft möglichst konkret: Region, Mühle, Sorte – nicht nur „EU-Mischung“.
- Dunkles Glas oder Kanister statt Klarglas.
- Bitter und pfeffrig ist ein gutes Zeichen, nicht ein schlechtes.